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iZen® ist eine beim Europäischen Markenamt eingetragene und geschützte Marke. Der Markenschutz hat keinen kommerziellen Hintergrund sondern schützt dieses religiös-philosophisch-psychologische System vor Nachahmung und Verfälschung.

 

Die Leerheit inhärenten Seins

Das intuitive Verstehen dieses Weisheitsaspektes gilt im Buddhismus als das wichtigste Tor zur letztendlichen BefreYung des Menschen - Glückseligkeit, Nirvana!

Diese vollständige Kapitel aus dem Lehrbuch und vollständigen BefreYungsweg iZen ("blaues Gehirn") gebe ich hier kostenfrei und vollständig wieder, weil dieser Aspekt so zentrale Bedeutung für geistige FreYheit hat.

Nirgendwo im Westen wurde dieses schwierige Thema - meines Wissens - so verständlich und realtiv knapp erläutert. Nutzen Sie diese Chance!

Allerdings fehlt ganz am Schluss die letztendliche, mahayana-typische Schlussfolgerung für das JETZT, das EINS, die Leerheit also(konventionelle und letztendliche Realtiät)! Entweder kommen Sie als Leser selbst darauf oder Sie dürfen diese beim Autor gerne per E-Mail erfragen! (drmichaelweh@web.de).

 

 

 

Der Text: Erläuterung der "Leerheit" (Shunyata) endlich für Westler verständlich:

16. EINS und JETZT - »FARBLOS«

Warnung!

Die Einsicht in die »Leerheit«, bei der es in diesem Kapitel geht, kann für den Unvorbereiteten sehr verwirrend sein. Zu erkennen, tief in sich, intuitiv und wissend, dass alles auf der Welt, wie wir es erleben (konventionelle Realität), letztlich nur eine Produktion unseres Geistes ist und es keinerlei absolute Bedeutung oder Beständigkeit irgendeines Dings oder Lebewesens gibt, kann Beklemmung und Angst auslösen.

Vermutlich glauben Sie, wie die meisten Menschen, an eine ewige Seele, ein Überdauern dieser Seele nach dem Tod und an einen Schöpfergott. Dieses Kapitel könnte diesen Glauben auf eine Probe stellen. Lassen Sie sich dennoch darauf ein und lehnen Sie nicht von vornherein ab. Bleiben Sie »open minded«. Wenn Ihr Glaube (Wertesystem, Paradigmen) wirklich tragfähig und verlässlich ist, dann widersteht er auch einer kritischen Überprüfung.

Lesen Sie dieses Kapitel bitte wirklich erst dann, wenn Sie die vorherigen Stufenübungen bis SCHWARZ bewältigt und verstanden haben. Dann sind Sie ausreichend auf diese Erkenntnisse vorbereitet, weil Sie eine gewisse Distanz (Dissoziation) zu Ihrer Gefühlswelt trainiert haben und bereits ahnen, dass Sie weder Körper noch Geist sind.

(Anm.: Selbst wenn Sie am Ende dieses Kapitels nicht mit allen Überlegungen konform gehen, so dürfte das Verständnis der wechselseitigen Abhängigkeiten und der Vergänglichkeit dennoch zu einer weiteren Sichtweise beitragen.)

 

EINS und JETZT - Die Essenz in iZen® in zwei Worte gefasst

Die Essenz der Erkenntnisse in iZen® kann man mit zwei ganz einfachen Worten ausdrücken: EINS und JETZT. Man könnte sagen, das ganze Systemprogramm iZen® trachtet lediglich danach, Ihnen die intuitive Einsicht und das ganzheitliche Wissen dieser beiden Begriffsinhalte zu vermitteln.

 

EINS bedeutet die tiefe, aufblühende Erkenntnis, dass wir mit allen Lebewesen und sogar Dingen verbunden sind, dass da keinerlei Trennung besteht und die Vorstellung eines isolierten Ichs nichts weiter als eine gedankliche Illusion darstellt. Da wir bei der Geburt (die übrigens auch nur eine gedankliche Vorstellung ist!) aus unzähligen Bestandteilen und Ursachen der Welt entstehen und nach dem Tod (die zweite Illusion!) wieder vollständig als Grundstoff für weitere Verwandlungen in diese eingehen, erkennen wir, dass es keinen Anfang und kein Ende gibt (für uns und alle Phänomene) und dass das große Ganze einen einzigen, fließenden Organismus darstellt. Daraus entsteht dann fast zwangsläufig ein umfassendes Mitgefühl (Nächstenliebe, Bodhicitta) für alle lebenden Wesen, die den gleichen Leiden und Sehnsüchten unterworfen sind wie wir.

 

JETZT bedeutet, dass wir ausschließlich in diesem winzigen Moment des Augenblicks leben und es keine andere Zeit gibt als diese. Vergangenheit ist ein reines Verstandesprodukt, wie ein Hollywoodfilm im Archiv unseres Kopfes, dessen schlechte Kopie wir leider immer wieder auf der Leinwand unseres Geistes anschauen und dann keineswegs wirklich bewusst leben, sondern eben fernsehschauend. Was die Zukunft bringt, weiß niemand und doch sorgen wir uns ständig um mögliche Ereignisse und Schwierigkeiten, die keineswegs jetzt gerade existieren, weil sie nur vom Verstand erzeugt werden; und dies mit einer Aufdringlichkeit, die uns sehr oft die Gegenwart vergällt. Sorgen und Ängste sind lediglich gedankliche Vorwegnahme von Ereignissen, die noch nicht stattgefunden haben und in vielen Fällen auch so gar nicht stattfinden werden. Dennoch haben diese »Filme« große Auswirkungen auf unser momentanes Wohlbefinden. Man könnte scherzhaft sagen: »Warum warten, bis man sich zukünftig schlecht fühlen kann, wenn man dies durch negative Gedanken gleich haben kann!«

Dieses Jetzt, der Moment, in dem wir gerade atmen, sehen, fühlen, leben -dieser aktuelle Herzschlag des Lebens - , ist der einzig wirklich existierende Teil unseres Lebens! Zeit ist eine nicht-reale Illusion unseres Geistes. Jeder stroboskopische Sekundenblitz bedeutet Leben, wenn wir nicht träumen (Vergangenheits- oder Zukunftsfilme schauen), sondern ganz wach und mit allen Sinnen und ganzer Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt weilen!

 

Vollständige Freiheit. Wirkliches Leben. Sorgenfreies Glück. Um dies zu erleben, genügt es, diese beiden Welten, die durch EINS und JETZT repräsentiert werden, vollständig zu verstehen!

Um EINS zu verstehen, müssen Sie die wechselseitigen Abhängigkeiten, die Vergänglichkeit allen Seins und das Theorem der Leerheit verstehen. Um JETZT zu verstehen, genügt es, die bisherigen Übungen zu verinnerlichen und sich im Alltag mental so oft wie möglich weg vom Gedankenkarussell in den gegenwärtigen Augenblick zu holen. Denken muss wie verebbende Wellen zur Ruhe kommen, um ganz wach, intuitiv und spontan in diesem realen Augenblick zu existieren.

(Anm.: In iZen® wird dieses »Abschalten« oder »Verebben/Verwehen« des Denkens intensiv geübt und kann mit dem Leitspruch » your mind!« plakativ (als Aufforderung, intuitiv und ohne Denken im JETZT zu leben) ausgedrückt werden. Vielleicht ist dies das zweite Mantra in diesem Programm neben »Transform! NOW!«)

 

Nach den Stufenübungen im Buch sind Sie nun soweit, die letztendliche Wahrheit und die Essenz in iZen® wissend zu erkennen. Bitte lesen und erfühlen Sie die folgenden Ausführungen mit Ihrer ganzen Konzentration und Aufmerksamkeit. Dieses Kapitel ist nicht sofort leicht zu verstehen und erfordert sicher ein mehrfaches Durchdenken und Üben. Ich hoffe, Sie bringen diese Energie auf.

Nirvana, Satori und Erleuchtung bedeuten nichts anderes als das tiefe Verstehen von EINS und JETZT!

 

Die Leerheit aller Phänomene und des Selbst

Das Theorem der »Leerheit von inhärentem Sein« (Shunyata) ist ein Spezifikum des Buddhismus und so in keiner anderen Religion/Philosophie zu finden. Das Herz-Sutra als zentraler Glaubensinhalt trägt diese Lehre in prägnanter Form in sich.

Lassen Sie sich von der zuerst einmal negativ anmutenden Formulierung »Leerheit« nicht abschrecken. Wenn Sie meinen weiteren Worten aufmerksam folgen, erhalten Sie die Chance, zuerst rational, und später durch intuitives Begreifen, ein tiefgründiges Verständnis dieser letztendlichen Wahrheit unseres Lebens und der Welt zu bekommen. Allerdings kann diese Erkenntnis durchaus Ihrer bisherigen religiösen Sichtweise entgegenstehen, z. B. der im Christentum. Bis jetzt waren alle Erkenntnisse und Übungen in iZen® eine wertvolle Ergänzung zu jedweder Konfessionsrichtung, also in jedes Glaubenssystem problemlos zu integrieren. Ob Sie die nun folgende, buddhistische Wahrheit in Ihr Glaubenssystem übernehmen können, müssen Sie selbst entscheiden, nachdem Sie die Thematik mit offenem und neugierigem Verstand geprüft haben. Denn das Erkennen des ständig fließenden Wandels aller Phänomene, die keinerlei absolute Existenz und Bedeutung innehaben, kann den Glauben an einen alles lenkenden Schöpfergott ins Wanken bringen.

 

Buddha hat seine Schüler immer wieder aufgefordert, auch seine eigene Lehre zu prüfen und nicht nur aus Ehrfurcht kritiklos anzunehmen. Jeder möge für sich selbst entscheiden, was er annehmen möchte und kann und was nicht. Selbst wenn eine Milliarde Buddhisten an die Leerheit glauben, so muss dies für Sie deshalb nicht auch gelten. Jedoch könnte das Weltverständnis so vieler Menschen einige Gedanken Ihrerseits wert sein. Um die Erkenntnis der Leerheit zu verstehen, müssen wir über die wechselseitigen Beziehungen aller Dinge und Lebewesen auf der Welt nachdenken.

 

Abhängiges Entstehen

Beobachten Sie ein Blatt am Baum und überlegen Sie, »Woher kommt es?« und »Wohin geht es?«. Diese Fragestellungen können und sollten Sie immer wieder auf beliebige Gegenstände (Regentropfen, ein Stück Holz, Stein, Pflanze) und Lebewesen anwenden und zur Meditation machen. Buddha tat dies immer wieder und zog aus dieser Meditation wesentliches, intuitives Wissen.

Verfolgen wir gemeinsam den Weg des Blattes in die Zukunft. Das Blatt wird vom Wind am Baum bewegt, durch die Wurzeln und den Stamm aus der Erde mit Wasser und Nährstoffen genährt. Die Sonne liefert die Energie für den Stoffumbau. Kohlendioxid aus der Luft dient als Kohlenstoffquelle. Irgendwann fällt es zur Erde, wo es schnell zu Kompost verrottet. Bakterien, Pilze und Insekten ernähren sich von dem zerfallenden Blatt und seine Bestandteile werden zu Nährstoffen in der Erde oder tragen zum Wachstum der Kleinlebewesen bei. Auch diese sterben nach einer gewissen Zeit und dienen einer neuen Pflanze als Nahrung. Ein Samen fällt vielleicht auf diese Stelle. Ein Keim wächst zusammen mit Regen zu einer neuen Pflanze, deren Blätter z. B. ein Reh frisst. Dieses fällt einem Jäger zum Opfer, der mit seiner Familie das Reh verzehrt. So finden sich Bestandteile des ursprünglichen Blattes nun im Körper eines Jägerkindes. Wenn das Kind am nächsten Tag weint, verdunsten auf den Boden gefallene Tränen, steigen zu den Wolken auf und werden vom Wind in andere Länder getrieben. Dort fallen Moleküle des ursprünglichen Blattes als Regen und nähren vielleicht eine Weizenpflanze, deren Körner irgendwann im Brot als Nahrung in den Magen eines Mannes gelangen, der alsbald ein Kind zeugt. Teile davon sind im Spermium der Zeugung und werden Teil eines neuen Menschen usw.

Dieses gedankliche Spiel können Sie mit jedem Ding immer wieder, sowohl in die Zukunft als auch in die Vergangenheit, durchführen, wozu ich Sie eindringlich auffordern möchte. Sie werden zu der Erkenntnis gelangen, die mit der Zeit in Meditation eine intuitive wird, dass es keinen Anfang und kein Ende gibt und alles wechselseitig miteinander verbunden und voneinander abhängig ist. Denn Sie werden nichts finden, das nicht in seiner Entstehung zurückverfolgt werden kann oder das rein aus sich heraus, unabhängig, existiert.

 

Geburt und Tod

Wann genau beginnt das Leben bzw. die Existenz eines Menschen? Was würden Sie sagen? Ist es das Erblicken des Lichtes der Welt im Kreißsaal? Beginnt es mit der Befruchtung im Eileiter der Mutter? Wenn Sie dieser Meinung sind, dann frage ich Sie, woher kommt das Spermium oder die Eizelle? Sind diese aus dem Nichts entstanden und einfach da? Haben diese beiden Zellen eine absolute, unabhängige Existenz oder entstehen sie lediglich aus anderen Faktoren und Ursachen? Wie wir oben gesehen haben, könnten z. B. Moleküle eines Blattes in China im Spermium eines Mannes in einem ganz anderen Land auftauchen; und das sind keine Utopien! Mit großer Wahrscheinlichkeit befinden sich in Ihnen einige Moleküle Buddhas oder von Jesus Christus, weil sich alles in der Welt ständig austauscht und verteilt. In der Physik nennt man dieses Phänomen »Entropie«. Sie ist einer der stärksten Kraftfaktoren des Universums und trägt dazu bei, dass jedes System ständig nach größtmöglicher Verteilung strebt.

Die Festlegung eines Zeitpunktes für die Geburt eines Lebewesens wird somit zur reinen Willkür unseres Verstandes. Für den einen ist es der Moment der Befruchtung, für den anderen die Entstehung der Eizelle und wieder andere legen den Beginn des menschlichen Lebens im dritten oder vierten Schwangerschaftsmonat fest (juristisch?). Jeder dieser Definitionen wird rein subjektiv bleiben, und wenn man den Kreislauf des Lebens im Universum betrachtet, dann gibt es definitiv keinen Anfang und kein Ende, sondern eben nur einen Kreislauf von Entstehen und Vergehen, bedingt durch unzählige Faktoren und Ursachen. »Geburt« und »Tod« sind rein illusorische, willkürliche Produktionen unseres Geistes, der stur an der Bedeutung eines »Ichs« festhält und sich deshalb nicht mit der totalen Vergänglichkeit unserer eigenen Person anfreunden kann (Kontinuitätsvorstellung).

(Anm.: Ein Zen-Meister wurde gefragt: »Wie kann ich mein Ich überwinden?«, woraufhin der antwortete: »Was willst du denn mit einem Ich?«)

 

Vergänglichkeit

Bei der weiteren Untersuchung des Entstehens und Vergehens von Dingen und Lebewesen kommt man zur Erkenntnis, dass es sich nicht so verhält, dass z. B. eine Maus ins Leben tritt, eine Zeit lang unverändert existiert und dann altert und stirbt. Vielmehr verändert sich diese Maus in jeder Sekunde und altert von Geburt an. Diese Veränderungen sind allerdings nicht so offensichtlich, weil unsere Sinne die mikroskopisch kleinen und relativ langsamen Vorgänge der Zellerneuerung und -abstoßung nicht erkennen können. Erst mit dem Verenden der Maus wird dies offensichtlich.

(Anm.: Schauen Sie sich Zeitrafferfilme von wachsenden und vergehenden Pflanzen an. Hier wird der ständige, weil er zu langsam stattfindet Wandel für uns sichtbar, den wir ansonsten nicht wahrnehmen können.)

Würden wir einen beliebigen Menschen nach vier Monaten wieder treffen und alle inzwischen abgestorbenen und erneuerten Zellen wären nun abwesend, dann wäre ungefähr ein Drittel dieses Menschen gar nicht vorhanden. Denn viele Körperzellen haben lediglich eine Lebensdauer von 3-4 Monaten oder weniger (rote Blutkörperchen, Dünndarmwand, Haut, Haare) und werden ständig durch Alterung erneuert bzw. aufgelöst. Dennoch ist dies der gleiche Mensch für uns, obwohl er sich jeden Augenblick verändert und teilweise erneuert. Bei jedem Atemzug geben wir Kohlendioxid ab und nehmen Sauerstoff auf. Wir schwitzen, verlieren Wasser und andere Substanzen. Allerdings sind unsere Sinne nicht in der Lage, diese Veränderungen zeitnah wahrzunehmen. Dennoch nennen wir diesen Menschen auch nach vier Monaten noch »Hans«, obwohl da nur noch zwei Drittel vom alten »Hans« vorhanden sind.

 

Jedes Kind weiß, dass jegliches Lebewesen sterben muss. Auch alle Dinge sind vergänglich, wenn auch oft in größeren Zeiträumen. Selbst Steine widerstehen über die Jahrtausende nicht dem sauren Regen oder der Kraft fließenden Wassers. Alles trägt den Keim des Todes in sich. Bei Zellen nennt man dies »Apoptose«. Die Auflösung ist allgegenwärtig. Das Vergehen ist in allem praktisch programmiert, alles ist vergänglich. Aus vergehenden Dingen entstehen neue. Das eine wäre ohne das andere nicht möglich.

Wenn aber alle Dinge und Lebewesen aus anderen entstehen, dann hat keines eine eigene, unabhängige, absolute Existenz. Alles entsteht aus anderen Molekülen, Faktoren und Ursachen (abhängiges Entstehen allen Seins). Nichts existiert aus sich heraus, sondern nur in Abhängigkeit und wechselseitiger Beziehung zu allem anderen (Stellen Sie diese Aussage auf die Probe! Suchen Sie nach einer Ausnahme).

Hier sprechen die Buddhisten von der »Leerheit inhärenten Seins«. Die Grundlage dafür ist die Vergänglichkeit und die wechselseitige Abhängigkeit aller Phänomene, Dinge und Lebewesen auf der Welt.

 

Wenn wir einen Baum benennen, der gerade vor uns steht, dann ist diese Benennung, das Wort »Baum«, ebenso leer und bedeutungslos und kann keineswegs der Realität dieses Objektes gerecht werden.

Würde der Baum mit 1000 Blättern im Herbst die Hälfte davon oder alle Blätter verlieren, dann würden wir ihn immer noch »Baum« nennen. Auch gibt es Milliarden Bäume auf der Welt, die den gleichen Namen von uns erhielten. Wie realitätsnah ist dann unser Wort »Baum« für dieses Ding vor uns? Nun könnten wir ihn »diesen speziellen Baum« nennen.

Wenn der Baum aber ohne Blätter immer noch ein Baum ist, dann gehören die Blätter offensichtlich nicht zum Baum. Oder doch?

Wie nennen wir den Baum, nachdem er umgestürzt und halb verrottet ist? Bis zu welchem Zeitpunkt ist er noch ein Baum für uns? Nach seiner vollständigen Auflösung wird ihn niemand mehr so nennen, obwohl alle Moleküle noch vorhanden sind.

Wie zuverlässig und treffend (oder willkürlich subjektiv?) sind also unsere Benennungen? Geben sie die Realität oder nur ungefähre, erdachte, subjektive Kategorien wieder? Letztlich sind Namen nur Konstruktionen unseres Verstandes, die aber nichts weiter als ein ungefährer Hinweis auf ein geistiges Abbild der tatsächlichen Realität dieses gemeinten Objektes sein können. Zudem hat jeder Mensch aufgrund unterschiedlicher Lebenserfahrungen andere Bilder im Kopf, wenn das Wort »Baum« fällt. Die Leerheit betrifft nicht nur die Existenz aller Objekte, sondern genauso unsere konstruierten Benennungen und Vorstellungen von der Welt.

 

Kein Selbst - keine Seele?

Ich riskiere, dass jetzt ein Aufschrei aus Ihrem Munde kommt und Sie das Buch aufgebracht in die Ecke werfen, wenn Sie an eine Seele glauben und/oder eine christliche (islamische, hinduistische ...) Erziehung (Programmierung?) genossen haben.

 

Aus dem Verständnis der Leerheit folgt aber auch, dass es jenseits von Körper und Geist kein Selbst gibt.

Vielleicht ist ein Neugeborenes nichts weiter als eine Art hochkomplizierter Roboter mit vorinstallierter Software und der Fähigkeit, schnell und aus Erfahrungen zu lernen, sodass es mit 1-2 Jahren ein Ich-Gefühl entwickelt, sich mit 3 Jahren »Ich bin ein Junge und heiße Peter« oder »Mädchen« nennt, mit 10 Jahren sagt, »Ich bin groß und schlau«, und mit 16 Jahren »Ich bin Christ« sagt, wenn man fragt: »Wer bist du

Der moderne Beweis dafür wird erbracht sein, wenn ein Roboter mit gehirnähnlichem Computer nach einer Phase selbstlernender Existenz ein Ich-Gefühl entwickelt und sich als Individuum empfindet. Beispiele für solche Visionen finden Sie im Klassiker »Bladerunner« oder in moderneren Hollywood-Streifen wie »iRobot« oder »Terminator«. Lassen Sie uns gemeinsam diese technologische Entwicklung beobachten, die auch spirituelle Bedeutung haben wird. Wir werden sehen.

 

Wir sind wie die Blasen in kochendem Pudding: Manche sind langlebig, manche platzen schnell auf. Es gibt große und kleine Blasen. Niemand kann die Existenz dieser Blasen (Menschen) leugnen. Dennoch haben sie keinerlei eigene, absolute Eigennatur (Selbst, Ich, Seele), sondern werden nur aus der Grundsubstanz »Pudding« (organische Substanz) gebildet, die ständig ihre Form verändert, in ihrer Gesamtheit (die Welt) aber gleichbleibt (s. u.).

Wir können ein Blatt aus Künstlerton oder Plastikmasse formen, sehr realitätsgetreu. Dennoch wissen wir, es ist nur ein Abbild aus einer Grundsubstanz. Alle belebte Materie (Pflanzen, Tiere, Menschen) ist aus Kohlenstoff, Sauerstoff, Wasserstoff und Stickstoff (in der Hauptsache, neben wenig Metallen) aufgebaut. Man nennt dies organische Substanz. Diese Grundsubstanz - ähnlich unserem Künstlerton - ist für alle Lebewesen und Pflanzen grundsätzlich die gleiche. Dennoch bringt sie die unterschiedlichsten Formen und Funktionen hervor, die dann allerdings wieder zerfallen und in andere belebte oder unbelebte Substanz umgewandelt werden. Nur die Grundsubstanz ist konstant. Die Formen und Baupläne variieren in einem fließenden Strom ständiger Umwandlung, so, wie ein Künstler manche Tonfiguren verwirft und neue aus der gleichen Masse formt, die dann von uns anders wahrgenommen und benannt werden. Fühlen Sie das Grundprinzip?

Alle Dinge und Lebewesen existieren durchaus. Sie haben aber keine individuelle, beständige und absolute Eigennatur, sondern sind Erscheinungsformen einer einheitlichen Grundsubstanz, deren Motor für die Umwandlung letztlich die Sonnenenergie darstellt. Man sagt, diese Erscheinungen sind leer von inhärentem (innewohnendem), eigenem, absolutem Sein.

 

Es genügt nicht, diese Zusammenhänge lediglich rational, durch Denken, zu verstehen. Erst durch intuitive, in der Meditation geübte Einsicht kann man an den Punkt kommen, an dem man die konventionelle (was wir gewöhnlich wahrnehmen) und die letztendliche (durch Analyse und Verstehen gewonnene) Realität der Leerheit gleichzeitig, in einem einzigen kognitiven (erkennenden) Akt sieht. Erst dann kann völlige Freiheit von negativen Gefühlen, Sorgen und Ängsten entstehen (Erleuchtung).

Unser Geist gaukelt uns ein »Ich« vor und lässt uns die Welt als eingebildetes Individuum, getrennt vom Rest, sehen. Sorgen, Ängste, Erwartungen, ja, unser ganzes Leiden, sind nur eine Illusion und Konstruktion unseres Geistes. Es gibt keine Probleme im Universum! Nur unser Geist wertet und erzeugt Vorstellungen, die uns die falsche Realität solch einer Welt glauben machen. Weder Schmerz noch Tod noch Krankheit oder Verlust sind ein »Problem«, sondern der ganz normaler Fluss des natürlichen Lebens und notwendiger, unabänderlicher Bestandteil des großen Wandels. Nur unsere Auflehnung, von Verstand und Gefühl erzeugt, schafft die Vorstellung von »Problem«. Wir haben jede Sekunde die Wahl, das Jetzt anzunehmen oder durch einen plappernden Geist zu verfehlen und damit zu leiden.

Ein sehr gutes Synonym und Beispiel für diese eingebildete Realität finden Sie im Film »Matrix«. Vor allem im ersten Teil sehen wir Menschen, denen im künstlichen Dauerschlaf eine computergenerierte, programmierte Scheinwelt vorgespielt wird (die Matrix), die sie für ihre Realität halten. Nichts anderes macht unser Geist Tag für Tag mit uns und verhindert dadurch die Sicht auf die tatsächliche Realität im Jetzt.

(Anm.: Stellen Sie sich vor, Sie leiden gerade unter großen Schmerzen. »Wie schön wäre es, wenn diese vorbei wären«, wünscht sich unser Geist. Nur durch gedanklichen Vergleich mit der Vergangenheit, die schmerzfrei war, oder mit der Hoffnung auf Abwesenheit des Schmerzes in der Zukunft ist Leiden möglich! Würden wir in diesem Moment des Schmerzes nicht an Vergangenheit oder Zukunft denken, dann würden wir diesen Moment vollständig akzeptieren, so wie er eben gerade ist. Dann gäbe es kein geistiges Leiden. In diesem Augenblick wären wir der Schmerz, ganz ohne innere Auflehnung! Natürlich wären die Nervenimpulse präsent, die unserem Gehirn »Schmerz« melden. Aber der Unterschied liegt in der fehlenden Bewertung durch unseren Geist und der totalen Akzeptanz im JETZT. Wir empfänden den Schmerz nicht als Problem!)

 

Im Buddhismus gibt es mehrere Lehren und Richtungen, von denen manche von der Existenz eines Atman, einer Seele, ausgehen und andere nicht. Die Schlussfolgerungen hinsichtlich einer Seele oder eines Gottes aus dem Verständnis der Vergänglichkeit und der Abwesenheit eines absoluten Selbst überlasse ich Ihnen. Immerhin gibt es viele Menschen (Mahayana-Buddhismus u. a.), die beides für reine Vorstellungen unseres Geistes halten.

 

Die Natur unseres Leidens

Warum leiden wir unter negativen Gefühlen und können nicht einfach glücklich sein? Schmerz, Sorgen, Angst vor Veränderung und die falsche Vorstellung der Wirklichkeit führen dazu, dass wir unglücklich sind. Nahezu jeden Tag gibt es Phasen, in denen wir uns unbehaglich fühlen. Diese werden sehr schnell durch äußere Ereignisse (Beschimpfung, Ärger, Ablehnung) oder innere Vorstellungen (Erinnerungen, Schuldgefühle, Ängste vor der Zukunft) hervorgerufen und halten sich oft mit hartnäckiger Macht in unserer Gefühlswelt fest.

Jegliches empfundene Leiden ist ausschließlich ein Produkt unseres Geistes, unserer Vorstellungen und der in uns entstehenden Gefühle. Nichts davon kommt tatsächlich von außen. Wir sind immer hin und her gerissen zwischen Abneigung und Anziehung. Wir werten jedes Ereignis, jeden Menschen, jeden Gedanken und alles, was wir tun. Zu allem haben wir eine Meinung und legen uns schnell fest, was wir mögen und was nicht (siehe Kapitel 13, »WEISS«, Dualität).

Aus der Anziehung wird Verlangen. Wir wollen Schönes festhalten, nicht verlieren oder noch mehr davon bekommen. Aus dem Verlangen, dem Wunsch wird Greifen und Anhaften. Die falsche Vorstellung von einem getrennten, individuellen Ich führt unweigerlich zum »Mein!«. Und schon sind wir gefangen im aufwändigen Streben danach und der Angst, es nicht zu bekommen oder wieder zu verlieren. Entsprechend verhält es sich mit der Abneigung. Hier wollen wir (das Ich) vermeiden. Was setzen wir nicht alles ein, um Unliebsames zu meiden, ihm auszuweichen, es zu minimieren.

Sowohl das Vermeiden als auch das Wollen haben einen hohen Preis: Mühe, Angst (vor dem Verfehlen des Ziels), Lebenszeit, Opfer ... Manchmal gehen wir dabei sprichwörtlich über Leichen, ignorieren die Bedürfnisse von Freunden und Familie, verpassen das Leben im Jetzt, weil wir ja etwas wollen (greifen oder vermeiden), ein Ziel haben, an das wir ständig denken. Dafür ist uns oft jedes Mittel recht. Und vor lauter Denken an das Wollen (in der Zukunft zu erreichen) können wir unmöglich im Jetzt leben, sondern schauen nur die geistigen Vorstellungen vom Objekt unserer Wünsche oder unseres Vermeidens an.

(Anm.: Begierde, Hass und Verblendung (Unwissenheit) sind nach Buddha die Hauptursachen des menschlichen Leidens. Ähnliches finden wir in der christlichen Glaubenslehre.)

 

Wenn wir aber erkennen, dass wir alle nur jetzt leben, ohne Gedanken an gestern oder morgen, dann gibt es nur das achtsame Leben in diesem Augenblick und das vollständige Annehmen unseres Lebens in diesem Moment. Wenn da Schmerz ist, dann ist unser Leben in diesem Moment einfach Schmerz. Wie schon erwähnt, kann nur durch Vergleich mit einer schmerzfreien Vergangenheit oder dem Wunsch nach einer anderen Zukunft geistige Unzufriedenheit aufkommen, die uns an diese »Filme« bindet.

Wussten Sie, dass Zeit eine reine Illusion unseres regen Verstandes ist? Sie zweifeln? So reagierte die Frau auch, der ich beim Betreten der Apotheke höflich den Vortritt ließ. Als sie dann die Apothekerin wegen eines ungültigen Rezeptes allzu lange aufhielt, entschuldigte sie sich bei mir schuldbewusst, weil ich nun für meine Höflichkeit auch noch warten müsse. Ich erwiderte lächelnd, dass es völlig gleichgültig sei, womit ich meine Zeit verbrächte, denn ich sei völlig achtsam im Jetzt und außerdem sei Zeit sowieso nur eine nicht existente Illusion. Natürlich schaute sie mich recht verständnislos an und fragte sich bestimmt, welche Drogen ich eingenommen hätte. Ich lachte still in mich hinein.

Das Leben in jeder Sekunde genau so anzunehmen, zu akzeptieren und willkommen zu heißen, wie es eben gerade ist (ohne Denken), bedeutet erleuchtet zu sein (Nirvana).

 

Frei durch Verstehen

Das Verstehen der Leerheit hält uns davon ab, nach einem eingebildeten, nicht-existierenden Selbst zu greifen, das Wünsche und Erwartungen hat. Das Gefühl und Wissen EINS, zu sein mit allen Lebewesen und der ganzen Welt, erzeugt eine allumfassende, freudige Demut, Mitgefühl und Rücksicht. Verständnis für alle lebenden Wesen keimt auf und Ehrgeiz (besser sein wollen als andere) verschwindet. Denn wenn man sich mit allen Menschen verbunden weiß, dann gibt es keinen Grund, besser sein zu wollen oder sich hervorzuheben. Wir alle bestehen aus der gleichen, wandelbaren Grundsubstanz, sind im gleichen Kreislauf EINS mit allem und teilen alle die gleichen Sehnsüchte (nach Freiheit, Erleuchtung, Gottgefühl, Glücklichsein). Wozu gegen den Fluss des Lebens kämpfen, wenn alles sowieso - ganz von selbst - in die gleiche Richtung strömt? Wir können uns einfach gelassen treiben lassen und den Lauf der Welt und unseres Lebens demütig annehmen, denn wir sind EINS ... JETZT!

(Anm.: Betonen möchte ich, dass das Verstehen der Leerheit nicht die Existenz aller Dinge und Lebewesen leugnet, sondern lediglich deren unabhängige, absolute Eigennatur. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zum Nihilismus und macht die Folgerungen daraus durchaus lebensbejahend und befreiend.)

 

Übungen für das Verstehen der Leerheit

Das Erkennen der obigen Wahrheiten/Lehren stellt keineswegs einen metaphysischen oder spirituellen, hochgeistigen Selbstzweck dar. Vielmehr führt das intuitive Wissen um diese Zusammenhänge fast zwangsläufig zu einer ungeahnten, geistigen Freiheit, wie ich außer an mir an unzähligen anderen Menschen fasziniert beobachten durfte. Das (eigene) Leben erscheint in einem viel freieren, leichteren, zwangloseren Licht. Alles ist nur ein Spiel, ohne den üblichen Ernst, den wir dem beimessen; oder wie Osho sagt: »Das ganze Leben ist ein Witz!«

Grundlegend für das befreiende Verständnis der Leerheit ist das übende Erkennen der Wahrheit des abhängigen Entstehens und der Vergänglichkeit.

 

Übung 1: Woher? Wohin? (s. auch Kapitel 22)

Immer wenn in Ihnen ein Wunsch oder Verlangen aufkeimt, dann nehmen Sie dieses Objekt der Begierde (Dinge, Menschen, Fähigkeiten ...) als Ziel einer meditativen Betrachtung. Legen Sie es unter ein imaginäres Mikroskop. Nach den Übungen im Buch können Sie nun Ihre Gedanken und Gefühle aus einer gewissen Distanz (Dissoziation, Kapitel 10) betrachten. Nur so entsteht die Bewusstheit darüber, was in uns vorgeht. Und dieses Bewusstwerden über unsere Geistesregungen (Gedanken, Gefühle, Vorstellungen, Wertungen) ist der wichtigste Schritt zur mentalen Freiheit (Erleuchtung)! Dogen Zenji, ein Urvater des Zen, sagt, sich seiner Geistesregungen bewusst zu sein und sie als Illusion zu erkennen, ist an sich schon Erleuchtung und mindestens so wichtig, wie davon gänzlich frei zu sein (was i. d. R. nur zeitweise möglich ist).

 

Fragen Sie sich, woher dieses Objekt kommt. Wenn Sie sich dringend einen Ferrari wünschen, dann überlegen Sie in ruhiger, meditativer Versunkenheit, wie dieser zum Händler kam, wie er produziert wurde, woher die notwendigen Bestandteile kamen und welche Bedingungen und Ursachen zu seiner Entstehung beigetragen haben. Verfolgen Sie das Entstehen des Autos weiter in die Vergangenheit. Woher kommen die Rohstoffe dafür? Wie wurden diese zu Tage gefördert? Welche Menschen und Bedingungen waren dafür notwendig? Wie entstanden diese Stoffe auf der Erde? Mit etwas Ausdauer und Konzentration sehen Sie alle diese Vorgänge in der Zeit zurück bis zum Anbeginn der Erde (Urknall?).

Danach überlegen Sie, wenn Sie Besitzer des Ferraris wären, wie lange er bei Ihnen bliebe, wann er verrostet wäre, wohin seine Bestandteile dann gingen und was aus seiner aufgelösten Substanz weiterhin werden würde. Durchdenken Sie diesen Vorgang, bis alle Moleküle des Fahrzeugs auf der Erde verteilt sind. Irgendwie wird Ihnen der Ferrari danach nicht mehr so wichtig erscheinen.

Diese analytische Meditation lässt sich für belebte Dinge noch viel subtiler vornehmen. Meditieren Sie über die Vergänglichkeit und die wechselseitige Abhängigkeit aller Objekte auf der Welt, die Ihnen einfallen, so oft Sie können! Sie werden dadurch ein immer tieferes Verständnis der Vergänglichkeit (und damit der Leerheit) und zunehmend innere Freiheit von der Bindung an diese Objekte erlangen.

(Anm.: Diese Betrachtungen der Vergangenheit und Zukunft widersprechen nicht unserem Imperativ, im JETZT zu leben, sondern tragen wesentlich zum Verständnis der Weltvorgänge bei und sind auf die definierte Zeitspanne der Meditation beschränkt.)

 

Übung 2: Kochen Sie Pudding!

Ich sehe Ihren verwunderten Blick förmlich vor mir. iZen® legt, wie mehrfach betont, größten Wert auf Anwendbarkeit im Alltag. In den inzwischen etablierten iZen®-Meetings wählen wir ganz unterschiedliche Orte (Bahnhof, Kino, Flussufer, Fußgängerzone ...), an denen wir meditieren und über das Verständnis unseres Daseins reden. Genauso können banale Vorkommnisse im Alltag bei entsprechender Achtsamkeit zu unserem Erkennen beitragen. Nicht umsonst betonen viele Zen-Meister: Der Alltag ist der beste Lehrer! Alles wird zur Meditation des Augenblicks oder in jedem noch so kleinen Teil des Universums ist die ganze Wahrheit enthalten.

Beobachten Sie nun den schon weiter oben erwähnten, kochenden Pudding, mental oder tatsächlich. Blasen entstehen an der Oberfläche. Große und kleine Blasen werfen sich auf. Manche leben nur kurz, platzen schnell. Manche halten sich länger. Aber alle fließen nach ihrem Aufplatzen wieder der Grundsubstanz zu.

Niemand wird leugnen, dass die unterschiedlichen Blasen eine gewisse Zeit lang existieren. Keine Blase ist wie die andere: Der Ort ihres Entstehens und Vergehens variiert, ihre Größe und Dauer sind verschieden, das Geräusch ihres Aufplatzens ist ein wenig unterschiedlich ... aber alle bestehen aus der gleichen Substanz und gehen wieder in diese ein. Die Blasen sind durchaus existent, das ist offensichtlich. Sie besitzen aber keinerlei Eigennatur, kein absolutes, bleibendes oder bedeutungsvolles Sein. Sie bestehen immer nur aus der Grundsubstanz des großen Ganzen, wenn auch in fließenden, individuellen Formen und Variationen. Sie sind aber vollständig vergänglich und abhängig von Ursachen (Temperatur, Dampfdruck, Oberflächenspannung) und Faktoren (Topf, Erhitzung, Konsistenz der Puddingmasse, Eiweißgehalt) außerhalb ihrer Existenz.

Setzen Sie nun »Blasen« gleich »Menschen«, »Pudding« gleich »organische Substanz« und »Topf« gleich »Erde«, dann bekommen Sie eine Vorstellung von der wahren Natur unserer Existenz.

Das Theorem der Leerheit leugnet nicht die Existenz von Erscheinungen, Dingen und Lebewesen! Dies zu verstehen ist sehr wichtig und widerspräche ja auch unserem intuitiven Wissen, weshalb ich dies immer wieder betone. Alles, was wir sehen, existiert tatsächlich, aber ist frei von (leer von) absoluter, unabhängiger Eigennatur und entsteht immer aus anderen Faktoren und Ursachen. So, wie ein leeres Trinkglas nicht leer an sich ist, sondern leer von etwas, z. B. leer von Wasser. Das Glas existiert auch im leeren Zustand und enthält durchaus Luft, Staub oder Raum. Ebenso sind die Dinge im Universum »leer von Eigennatur« oder »leer von inhärenter (innewohnender) Existenz«.

 

Übung 3: Wolken

Auf dem Rücken liegend Wolken zu beobachten kennt jedes Kind und jeder Erwachsene. Viele Meditierende der Geschichte gelangten beim Anblick des Himmels, der Wolken oder der Vögel dort oben zu spontaner Erleuchtung; allerdings meist nach Jahren oder Jahrzehnten des Übens.

Legen Sie sich an einem bewölkten, freundlichen Tag bequem auf den Rücken und schauen Sie tief in den Himmel. Es ist uns kaum möglich, in einzelnen Wolken keine Formen zu erkennen und bekannte Dinge zu assoziieren. Eine Wolke nimmt die Form eines Pferdekopfes an, die andere gleicht dem berühmten Schaf und eine weitere reißt das Maul wie ein Haifisch auf. Unser immer reger Verstand vergleicht, erinnert, erkennt, ordnet zu. Dies ist an sich nicht schlecht. Allerdings sollte der Verstand nur da brillieren, wo er als notwendiges Werkzeug zur Erledigung von Aufgaben gebraucht wird. Immerhin hat uns der Verstand zur vorherrschenden Spezies auf der Erde gemacht (was auch immer dies bedeuten mag). Vielleicht hängen wir deshalb so sehr an ihm. Er sichert unser Überleben.

Wenn wir zu den Wolken schauen, brauchen wir unser Denken definitiv nicht. Wie bei anderen Meditationsübungen können Sie hier lernen, nur zu sehen, ganz ohne Gedanken. Schauen Sie mit entspannten Augen hoch in die Ferne, tief in die Wolken hinein. Sehen Sie nur die Wolken, bleiben Sie mit Ihrer Wachheit bei den Wolken und lassen Sie aufkommende Gedanken schnell weiterziehen.

Dies ist aber nicht der Hauptaspekt dieser Übung. Für das Verstehen des ständigen Wandels, den wir aber aufgrund unserer begrenzten Sinnesfähigkeiten schwer wahrnehmen können, sind Wolken ein Paradebeispiel.

Nachdem Sie, wie oben beschrieben, in meditativer Versunkenheit zur inneren Ruhe gekommen sind, prägen Sie sich das Wolkenbild einer bestimmten Stelle am Himmel intensiv ein. Dann schließen Sie die Augen für fünf Minuten und betrachten solange innerlich dieses abgespeicherte Bild. Sobald Sie die Augen öffnen, wird sich Ihnen ein gänzlich veränderter Himmel mit anderen Wolkenformationen bieten. Betrachten Sie diese, prägen Sie sich wieder die aktuelle Formation ein und wiederholen Sie die Übung, solange Ihre Konzentration dies zulässt. Jetzt ist die Veränderung von Bild zu Bild offensichtlich. Der ständige Wandel, das fließende Entstehen und Vergehen, wird uns voll bewusst. Übertragen Sie diese Erkenntnis auf alle Objekte dieser Welt. Werden Sie sich bewusst, dass sich alles in jeder Sekunde verändert, wenngleich oft zu langsam für unsere Sinne.

Wolken sind zudem eine faszinierende Allegorie für das Funktionieren unseres Geistes und unserer Existenz: Die Wolken stehen für unsere Gedanken und Gefühle, die veränderlich sind und jeden Tag in uns entstehen und vergehen. Der weite und ewige Himmel existiert seit Jahrmilliarden und steht für den unbefleckten Raum in uns, der das Göttliche darstellt. Wir sind der reine Raum, der Gedanken und Gefühle beherbergt. Aber wir sind nicht diese selbst! Also beobachten wir die ständig wandernden Wolken wissend und lassen sie mit ihrer Vergänglichkeit ruhig weiterziehen ...

(Anm.: Diese Allegorie hat als meditative Betrachtung eine sehr befreiende Wirkung!)

 

Übung 4: Stroboskopische Wahrnehmung

Diese »stroboskopische« Wahrnehmung, die wir am Wolkenhimmel im langsamen Fünf-Minuten-Takt geübt haben, lässt sich auf eine beliebige Umwelt anwenden.

(Anm.: Ein Stroboskop erhellt eine Szene im festgelegten Sekundentakt blitzlichtartig für einen Moment.)

Bleiben Sie einfach in einer Stadt an einer sicheren Stelle stehen, prägen Sie sich das Bild eines bestimmten Blickwinkels ein und schließen Sie die Augen. Dieses Bild ist Ihr JETZT, das Sie bei geschlossenen Augen weiterhin ansehen. Nach zehn Sekunden öffnen Sie die Augen und betrachten die völlig veränderte Situation. Wiederholen Sie auch diesmal. Sehen Sie die Umwelt in Einzelbildern mit Unterbrechungen. So wird Ihnen bewusst, dass unsere Wahrnehmung aus einzelnen JETZT-Momenten aufgebaut ist. Je geübter Sie werden, desto kürzer können Sie die Pausen mit geschlossenen Augen halten. Bei jedem Augenöffnen sprechen Sie »Jetzt!« und in den Sekundenpausen mit geschlossenen Augen »Vorbei!«. Lernen Sie, immer nur den kurzen Moment im Augenblick zu sehen, bis Sie dies bei gänzlich geöffneten Augen können: jede Sekunde für sich wahrzunehmen, ganz bewusst, und nicht an die vergangene Sekunde zu denken! Durch die hohe, hierfür notwendige Konzentration bleibt sowieso kaum Gedankenraum für mehr als diesen Augenblick und Sie werden lernen, ein wirkliches Gefühl für Ihr Leben in diesem kurzen Moment zu bekommen. Dies ist das einzige, wirkliche Leben, das Sie haben! Alles andere ist Illusion.

(Anm.: Diese Übung ist im Kapitel 22, Übung 35, ausführlicher erläutert.)

 

 

Übung 5: Morphing im Alltag

Sicher kennen Sie aus modernen TV-Filmen den technisch-visuellen Effekt, Menschen oder Dinge im Zeitraffertempo altern zu lassen. Ein Protagonist oder z. B. ein Haus altert durch Computeranimation vor unseren Augen in Sekundenschnelle und zerfällt zu Staub. Diesen Effekt, den man »Morphing« nennt, finden Sie in zahllosen Filmen, sodass ich mir an dieser Stelle eine Aufzählung erspare.

Die Übung besteht nun darin, sobald Sie in Ihrem Alltag eine unangenehme Gefühlsregung in sich beobachten - Ihr meditativer, dissoziierter Beobachter ist inzwischen ja gut trainiert -, das auslösende Objekt einfach als Imagination vor Ihren geöffneten Augen in Sekunden altern und zu Staub zerfallen zu lassen - und die Umgebung gleich mit. Zuerst werden Sie sich selbst dabei unverändert sehen. Aber mit zunehmender Übung lassen Sie sich selbst gleichzeitig altern und mit allem in der Umgebung zu Asche und Staub zerfallen!

 

Ich weiß, diese Übung erscheint zuerst morbide und deprimierend. Natürlich müssen Sie sich hüten, Morphing zu einer allgemeinen Gewohnheit werden zu lassen, da Sie sonst beständig in einem wahrhaft trübseligen Untergangsszenario leben oder einer allgemeinen Paranoia (Wahnvorstellung) zum Opfer fallen. Aber zu mentalen Übungszwecken oder zum Vergänglich-werden-lassen der Auslöser negativer Gefühle ist »Morphing« eine faszinierend wirksame Übung, die Ihnen mit der Zeit die Vergänglichkeit allen Seins (inklusive des eigenen) intuitiv vertraut macht. Und glauben Sie mir aus eigener Erfahrung, wie befreiend das Gefühl ist, hasserfüllte Menschen oder Objekte der Begierde in ihrer Bedeutung zu Staub zerfallen zu lassen! Nicht selten musste ich bei dieser Übung, mitten in einem Streit oder wenn ich vor einer schönen Armbanduhr stand, lächeln und konnte nach kurzer Zeit wissend und befreit von Zorn oder Begierde weiterziehen.

Sie entscheiden ja selbst, wann Sie diese Visualisierung anwenden. Paranoide Menschen sind im Gegensatz dazu solchen Wahnvorstellungen hilflos ausgeliefert. Ähnlich wie bei der Dissoziation steuern Sie Zeit und Anlass der selbstgewählten Übung, sodass Sie keine Sorge haben müssen, dadurch verrückt zu werden.

Im Endeffekt landen Sie beim Zukunfts-Morphing immer zusammen mit allen anderen Dingen als Staub in der Erde, wo sie gemeinsam mit allem EINS sind.

 

Wenden Sie Morphing ruhig auch in glücklichen Momenten an. Im Zen wird betont, auch am Glück nicht festzuhalten, sich nicht daran zu binden. Sonst entsteht ja wieder die Angst vor Verlust dieses Zustandes. Und da alle Augenblicke, auch die glücklichen, vollständig vergänglich sind, ist es eine wundervolle Übung, auch sein Glück nicht allzu ernst zu nehmen.

 

Probieren Sie neben dem Zukunfts-Morphing auch das Vergangenheits-Morphing aus. Ein zorniger Kontrahent oder anklagender Chef wird dann schnell zum harmlosen Kleinstkind ...

Morphing ist für moderne Menschen (die Hollywoodfilme kennen) eine sehr geeignete Methode, um sich mit dem Axiom der Vergänglichkeit und des abhängigen, wandelbaren Entstehens und Vergehens vertraut zu machen.

(Anm.: Morphing darf nicht als aggressive Mentalübung missverstanden werden, bei der man in der Fantasie sein Gegenüber zerstört; es geht dabei um Vergänglichkeit, vor allem auch die eigene!)

 

Übung 6: Tonklumpen

In meinen Meditationsmeetings präsentiere ich meinen Transformern gerne eine kokosnussgroße Kugel aus Künstlerton. Ohne Vorinformation lasse ich die Teilnehmer dann in ruhiger Versenkung auf der Oberfläche der Kugel Figuren modellieren: ein Kind, Tiere, Erwachsene, beliebige Dinge. Diese Objekte müssen keinen künstlerischen Ansprüchen genügen und dürfen nur angedeutet werden.

Als erste Erkenntnisübung lasse ich die Kugel so gedreht halten, dass die Seite der modellierten Figuren vom Übenden nicht zu sehen ist. Wenn ich frage, ob sich auf der Kugeloberfläche Objekte befinden, dann bejaht dies natürlich jeder, obwohl diese nicht zu sehen sind. Wenn ich frage, woher dieses Wissen stammt (ohne Sehen), folgt immer die Antwort: »Ich weiß das, weil ich sie geformt habe.« Dann erkläre ich, dass dieses Wissen nur durch Abruf des Erinnerungsspeichers (Vergangenheit) aus dem Verstand stammt. Wenn da kein Denken wäre, sondern reines Leben im Jetzt, dann wäre da kein Wissen, sondern nur ein Wahrnehmen der glatten Kugelseite. In tiefer Meditation existierte da kein Verstandeswissen, nur nicht-denkendes Sehen.

Diese kurze Übungsvariante dient nur dazu, ein Gefühl für unsere mentalen Prozesse zu bekommen und das Beobachten unseres eigenen Geistes (Verstand und Gefühle) zu üben.

 

Die zweite Erkenntnisübung findet ihre Fortsetzung, indem ich die modellierten Figuren an der Oberfläche des Tonklumpens wieder zerstören lasse. Die Teilnehmer drücken diese wieder in die Masse des Tons, bis sie keine eigene Form mehr haben, ganz darin aufgehen.

Diese Übung lasse ich meist ohne erklärende Worte enden, weil die meisten sowieso intuitiv die Verbindung zu ihrer eigenen Existenz herstellen und die Tonkugel als »Welt« erkennen.

Diese Übung ist eine sehr einfache, aber dennoch plastische Methode, um ein intuitives Verstehen der Vergänglichkeit zu erhalten. Immer wieder berichten mir Transformer (Übende), dass sie bei irgendeinem Anlass, noch nach Monaten, Erinnerungsbilder an diese übende Situation gehabt hätten und dabei ihr Verstehen tiefer geworden sei. Tun und Sehen wirken meist weit intensiver bei Lernprozessen als Worte allein.

Spielen Sie diese Übung ruhig einmal nach. Nehmen Sie sich Zeit und schalten Sie dabei Ihren Verstand aus. Beobachten Sie, was Ihre Finger formen werden und spielen Sie Gott, der alles wieder ins Große Ganze taucht.

(Anm.: Diese Übung ist im Kapitel 22, Übung 26, ausführlicher beschrieben.)

 

Wirkung von EINS und JETZT

Shunyata (Leerheit)mit allen Ebenen des Bewusstseins verstanden zu haben, führt, wie schon erwähnt, unweigerlich zu einer gelassenen Demut und v. a. zur Auflösung des Egos. Zu wissen, dass wir alle aus der gleichen, vergänglichen Grundsubstanz bestehen und keinerlei absolute, beständige Eigennatur besitzen, kann primär erschreckend, aber sekundär sehr befreiend wirken. Wir sind ein winziger, wandelbarer Teil des Ganzen und unser individuelles Ich ist eine Illusion. Das Universum funktioniert ohne uns; und doch wäre es ohne uns nicht das gleiche. Mit dem Ego verlöschen auch Ehrgeiz, Missgunst, Neid und Begehren und wandeln sich zu Güte und Verstehen. Eins-Sein mit allem bedeutet unendliche Freiheit vom Müssen und Wollen. Zulassendes Nichteinmischen trägt uns wie eine weiche Wolke.

 

Es gibt unendlich viele Gelegenheiten in Ihrem Alltag, um jede Minute den Aspekt der Vergänglichkeit zu studieren oder um ganz im Hier und Jetzt zu weilen. Ich werde immer wieder gefragt, ob es denn überhaupt möglich sei, jemals ganz im JETZT zu leben und sich wirklich vollständig allen Bereichen der Leerheit und des EINS bewusst zu sein. Dazu kann ich nur sagen, dass es keine Rolle spielt, ob es möglich ist oder wer dies überhaupt kann. Erleuchtung ist kein fernes Ziel, das von ultrabegabten Meditationsmeistern festgelegt wurde. Jeder Moment der Hingabe eines Menschen an diesen Befreiungsweg, jeder Aspekt der Übung ist bereits Erleuchtung! Jeder von uns ist vollkommen. Allein wach und bewusst zu sein und sei es, um zu erkennen, dass man gerade wieder Sorgengedanken in Richtung Zukunft hegt oder einen Angriff auf sein kleines Ich empfindet, ist an sich schon Erleuchtetsein ... oder zumindest der größte Schritt dahin.

Ob Sie jemals den Erkenntnisgrad eines Buddhas erlangen werden, ist fraglich. Ein Menschenleben ist beinahe zu kurz dafür und die Lebensumstände (Broterwerb, Familie, Alltag) lassen oft wenig Raum für spirituelle Arbeit. Aber jeder Schritt in diese Richtung ist ein unschätzbarer Gewinn. Nehmen wir an, Sie würden sich durch Meditation und Analyse, z. B. durch iZen®, nur 20 % häufiger des Hier und Jetzt bewusst und 20 % seltener an eingebildete Sorgen und Probleme denken. Dann ist Ihr Leben von diesem Moment des Lernens an jede Minute, bis zu Ihrem Tod, um 20 % glücklicher und freier! Ist dies nicht ein erstrebenswerter Aspekt mentaler Übung? Und ich habe diesen Effekt an so vielen Menschen beobachtet!

(Anm.: Einige spirituelle Bücher bieten gute Wege zu mehr Achtsamkeit und Ruhe im Alltag (Joko Beck, Jon Kabat-Zinn, Anselm Grün). Der Aspekt des JETZT wird inzwischen auch im Westen gut verstanden. Allerdings kann erst das Verstehen der Leerheit zur letztendlichen Freiheit vom Ich führen (Buddhismus) wie auch die selbstlose, bedingungslose, demütige Liebe zu einem Gott (z. B. Christentum), dessen Existenz und Kompetenz dann allerdings niemals angezweifelt werden darf.)

 

Erst das Loslassen vom Ego befreit uns Menschen in letzter Instanz!

 

Transform! NOW!

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