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Kurzgeschichte der Bewusstheit

Wie man auf dem Weg langsam sein Ego hinter sich lässt!

Es ist früh am Morgen, kurz vor der Arbeit. Ich stehe an der Kasse der Tankstelle und bin noch ein wenig schlaftrunken, nicht ganz wach.
Vor mir hat sich eine kleine Menschenschlange gebildet, die alle vor ihrem Arbeitsbeginn noch schnell ein paar Zigaretten, ein belegtes Brötchen oder Benzin für ihr Fahrzeug ordern. Vor mir steht ein untersetzter Mann in orangefarbiger Kleidung, ein Straßenreiniger. Seine Gesichtszüge sind und seine Mimik sind so, wie man sie eben bei einem intellektuell einfach strukturierten Mann erwartet. Ich denke: »Na ja, ein einfacher Mensch, wenig im Kopf, typisch Straßenkehrer ... », und fühle mich als Arzt in meiner eingebildeten Herrlichkeit sofort überlegen, obwohl ich eigentlich nicht zu Allüren neige. Aber ich fühle diese winzige, kleine und miese Überheblichkeit am Rande meines Bewusstseins grinsend aufkommen.

 

Kaum hatte ich diesen einschießenden Gedanken zu Ende gedacht, als mir meine Arroganz und wertende Sichtweise bewusst wurde. Innerlich sprang mein Beobachter in seine dissoziierte, distanzierte Position und erkannte diese typisch menschliche Wertung und die immanente Positionierung des eigenen Egos möglichst oberhalb seiner Mitmenschen. Sofort musste ich über mein vorlautes Ego lächeln. Zum anderen freute ich mich, dieses Beurteilungsverhalten als Zeuge erkannt zu haben. Ich fühlte mich schlagartig freier, losgelöst von meinen rationalen Beschränkungen.

 

Noch lächelnd stieg ich nach dem Bezahlen in mein Auto und machte mich auf den wenige Kilometer langen Weg zur Arbeit. Wie immer um diese Zeit quälte sich eine Blechschlange in Richtung Innenstadt und auf zwei Fahrspuren war der übliche Kampf um den alles entscheidenden Vorsprung vor dem jeweils anderen entbrannt. Manchen Artgenossen waren die Anspannung und Unruhe am Fahrverhalten leicht anzumerken: allzu dichtes Auffahren auf den Vordermann, Beschleunigen trotz sichtbar roter Ampel weiter vorne, schnelle Spurwechsel für wenige Vorteilsmeter, angespannte Gesichtszüge, hochgezogene Schultern. In ca. 100 Metern Entfernung war eine der beiden Spuren durch eine Baustelle verengt und das primäregoistische Drängeln und Quetschen nahm progressiv seinen gewohnten Lauf. Angst schien alle zu erfassen, nicht rechtzeitig - oder gar nicht (?) - die verengte Stelle passieren zu können. Ich ruhte noch immer in meiner beobachtenden Distanz vom Geschehen und durfte dieses ameisengleiche Treiben wie aus luftiger Höhe sehen. Auch mein Auto und mein Körper waren ein Teil davon. Ich ließ mich im Strom treiben.
Ich fühlte den kleinen Triumph mancher darwinistisch überlegener Autokämpfer, wenn es ihnen gelungen war, ein oder zwei andere Autos durch geschickte Gas-Brems-Manöver zu überholen; und ich fühlte empathisch genauso die bauchgrimmend empfundene Niederlage der Überholten, die sich in dem Moment als Verlierer fühlten, weil sie nicht ebenso beherzt und rücksichtslos gehandelt hatten.
Auf der Ego-Ebene war dieses tägliche, kleine Drama das Spiegelbild unseres ganzen Lebens, in dem sich Sieg und Niederlage wieder und wieder ereignen. Dieser unendliche Kampf um kleine, morgen vergessene Vorteile, die so notwendig sind, um das menschliche Ego häppchenweise mit Stolz zu füttern. Nur, wer ist da Sieger und wer Unterlegener? Denn jedes Vordrängeln und Kämpfen erfordert Konzentration, Energie und Adrenalin. Diese Investition steht dann nicht für andere Aufgaben zur Verfügung. Jeder kleine »Erfolg« kostet seinen Preis in gleicher Höhe. Wo ist der Gewinn?

 

Ich dachte über meine Ehe nach, weil ich gestern mit meiner Frau einen Streit hatte und mich die Gedanken daran immer wieder einholten. Nur, wo war dieser Streit, dieser Ärger eigentlich heute? Wo war er gerade? Auch meine Frau war jetzt nicht hier. Ich sprach zu meinem Ich: »Zeig mir den Ärger!« Es antwortete: »Ich zeige dir doch die Gedanken daran von gestern!« »Ja, aber wo ist er JETZT? Ich kann ihn nicht wirklich sehen, nur einen Film der Vergangenheit davon.« Und schon musste ich lächeln, weil mir bewusst wurde, ja, lichtgleich und schlagartig bewusst, dass da nur noch die ungebetenen Gedanken meines rastlosen Verstandes waren, der mir einen alten Videofilm vorspielte. Ich sah, dass im Hier und Jetzt, in diesem Auto, kein Streit und kein Ärger anwesend waren! Würde ich mich in 10 Jahren an diesen Streit erinnern? Wohl kaum. Wenn also mein Verstand dieses Ereignis in Jahren vergessen konnte, warum dann nicht in 2 Minuten oder zumindest in einem Tag?

 

Inzwischen war ich kurz vor meinem Ziel, dem Parkhaus in der Nähe meiner Praxis, angekommen. Die letzten 200 Meter lagen vor mir, als plötzlich ein freches Mädchen auf Rollerblades vom Gehsteig mitten auf die Fahrbahn wechselte und vor meinem Auto mit kokettem Hüftschwung dahinrollte. Natürlich musste ich meine Geschwindigkeit drosseln, um die Göre nicht anzufahren. Neben der Verwunderung über ihre Dreistigkeit kam sofort auch selbstbewusster Ärger in mir hoch: »Was bildet sich das freche Stück ein! Die kann doch auf dem Gehsteig bleiben!« Und als sie keine Anstalten machte, von der Fahrbahn zu verschwinden, und seelenruhig vor mir weiterfuhr, schüttelte ich indigniert den Kopf und echauffierte mich über so viel Frechheit, sich mir einfach in den Weg zu stellen. Fasziniert beobachtete ich die Lady und konnte mir ein aufgebrachtes Hupen gerade noch verkneifen. Als sie dann doch auf die andere Straßenseite und auf den dortigen Gehweg wechselte, wollte ich mit strengem Blick in ihre Richtung schon fast das berühmte Fingerzeichen machen, als mich die Erkenntnis schlagartig erfasste! Wieder war da mein kleines Ego angerührt worden, fühlte sich zurückgesetzt und nicht respektiert. Wie von einer magischen Riesenhand erfasst fühlte ich, wie irgendetwas aus meinem Körper herausgezerrt worden war und dieses Etwas nun einen freien Blick auf die Szenerie von oben bekam. Vielleicht war es auch kein Oben, sondern ein Neben; jedenfalls war es kein Innen mehr! Eine ruhige, glückliche Leichtigkeit erfüllte mein ganzes Wesen und ich liebte dieses Mädchen für ihre erteilte Lektion, für ihr Tun und ihr Hiersein. Ich ließ mein Ego in dem Auto sitzen und verschmolz mit der Kirche am Straßenrand, mit dem Mädchen, mit meinem Auto, mit der Luft, mit einfach allem um mich herum und in mir.

 

Das Auto fuhr mit meinem Körper - ich weiß nicht wie - in das Parkhaus und kam auf dem angestammten Platz dort zum Stillstand. Ich beobachtete mich, wie ich in Richtung Arbeitsstelle ging, sah das dünne Schulmädchen entgegenkommen, wie jeden Tag. Und wie jeden Tag wusste sie nicht, wohin mit ihren Augen, vor lauter Unsicherheit. Denn wenn man sich über Jahre fast täglich begegnet, kommt eine Art Vertrautheit auf, die aber keine Tür bekommt, solange nicht der nächste Schritt menschlicher Kommunikation unternommen wird. Und den hatte ich bisher nicht unternommen, weil mein Ich dieses Spiel wissend genoss und weil es für einen reifen Mann gegen die gesellschaftliche Konvention verstößt, ein allzu junges Mädchen anzusprechen.
Ich musste fast laut lachen, als sie in ihrer Schüchternheit wahre Augenakrobatik anstellte, sicher unbewusst, und ihre Augäpfel ruckartig nach oben verdreht waren, nach unten und zur anderen Seite, nur nicht in meine Richtung. Ich beobachtete meine Belustigung und sah, wie mein Ich diese Form der Überlegenheit genoss. Beide Personen waren für einige wenige Momente innerlich durch eine korrespondierende Emotion verbunden, um sich wenige Schritte später, jeder seines Weges gehend, dieser Verschmelzung wieder zu entledigen.

 

Ich sah mich, den Chef einer großen zahnärztlichen Praxis, auf dem täglichen Weg zu seiner gewohnten Schauspielrolle gehen. Dort würde dieser Mitarbeiter belehren, motivieren, tadeln und loben. Er würde in wenigen Minuten nicht nur per Kleidungswechsel in diese Rolle schlüpfen und vielen Menschen helfen, sie von Schmerzen und Ängsten befreien und ganz banal Zähne reparieren.
Und ich freute mich darauf, dieser Person in jedem Augenblick zuzusehen, sie zu beobachten, wenn sie agierte und in jedem Moment konzentriert in dieser Aufgabe aufging.
In diese Gedanken versunken übersah ich den allzu schnellen Radfahrer beim Überqueren der Straße, weil ich diesen Film der nahen Zukunft über dieses Ich und diesen Körper angeschaut hatte. Es gibt kein Gestern und kein Morgen, außer in der Videothek des Verstandes. Wäre ich nicht vor dem Fernseher meines Geistes gesessen, dann hätte ich mein Leben JETZT gesehen. Da musste ich nun vollends und hemmungslos loslachen, bis mir Tränen in die Augen schossen und ich wusste, dass ich noch einen langen Weg vor mir hatte, bis ich vollends im Hier und Jetzt und bleibend jenseits meines Ichs angekommen sein würde!
Aber ich wusste auch, beobachtend und zulassend, dass ich mich auf dem Weg befand, meinem Weg der Erkenntnis und Freiheit ... den mir der beste und einzig wahre Lehrer der Welt weisen konnte: mein eigener Alltag!

 

Fin

 

(Anm.: Die Kurzgeschichte zeigt, wie bewusst man im ganz normalen Alltag sein kann. Dissoziation, bewusstes Wahrnehmen von Gefühlen, Leben im Jetzt und allgegenwärtige Achtsamkeit sind der Grundtenor dieser kleinen Geschichte, die Ihre sein könnte. Diese Zeilen entstanden vor vielen Jahren, als meine mentale Entwicklung auf dem Weg war.)

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